Am 26. und 27.10.2017 finden die 12. Braunschweiger Gramsci-Tage statt.

Sie stehen dieses Jahr unter dem Titel:

Die kurzen Sommer der Gegenmacht – Historische Alternativen zum Kapitalismus und warum sie so schwer durchzusetzen sind 

Zum Thema:
Bewegungen gegen die „konzentrierte gesellschaftliche Macht“ des Kapitals, von der Marx sprach, entstehen vor allem, wenn sich eingeschliffene Pfade kapitalistischer Entwicklung in Sackgassen befinden. Gramsci interpretierte die 1930er Jahre als eine historische Phase, in der der herrschende Block in Europa angesichts der fordistischen Umwälzung der Produktivkräfte „nicht mehr führend, sondern einzig herrschend“ ist, Inhaber „der reinen Zwangsgewalt“. Die „saturierte“ Herrschaft gesteht jedoch nicht ein, „dass sie überholt ist“. Aus diesem Grund – so Gramsci – bildet sich ein Terrain, „auf dem sich die antagonistischen Kräfte organisieren“, während die saturierte, „bornierte Clique […] danach trachtet, ihre schäbigen Privilegien zu verewigen, indem sie die Entstehung von Gegenkräften reguliert oder sogar erstickt“.

Auch heute verteidigt ein neoliberaler Machtblock aus Finanz- und Exportkapital nur noch seine Privilegien. Gegen sie richten sich Gegenbewegungen: in der Gesellschaft gegen fortschreitende Liberalisierung, Privatisierung und Austeritätspolitik; in der Politik gegen etablierte Volksparteien; in den Betrieben gegen Wettbewerbspakte zwischen Kapital, Gewerkschaften und Betriebsräten. Als Gegenbewegungen fungieren jedoch nicht nur linke Oppositionsgruppen, sondern verstärkt auch rechtspopulistische, nationalistische oder neofaschistische Strömungen.

Im Unterschied zum Newtonschen Gesetz der Physik, nach dem „Kraft = Gegenkraft“, sieht sich gesellschaftliche oder betriebliche Gegenmacht immer mit bestehenden Mächten und Strukturen konfrontiert, die ihre Entfaltung limitieren. Oft werden die Ziele der Gegenbewegungen von den Herrschenden „verdaut“ und in „Integrationslogik“, d.h. ihre „antagonistische Logik“ (Lelio Basso) in eine Logik der herrschaftlichen Erneuerung der alten Ordnung verwandelt. Insofern sprechen wir von „kurzen Sommern“ der Gegenmacht.

Die 12. Braunschweiger Gramsci-Tage thematisieren Formen, Bedingungen und Widersprüche von Gegenmacht der subalternen Klassen: Welche Typen von Gegenbewegungen können unterschieden werden? Unter welche Bedingungen kann sich Empörung und Protest gegen eine bestehende Ordnung zu faktischer Gegenmacht entwickeln, die die Herrschenden zu Kompromissen zwingen kann? Mit welchen Mitteln gelingt es der alten Ordnung noch, die Durchsetzungsfähigkeit von Gegenbewegungen zu beschränken? Wie verändert sie sich selbst dadurch? 

Programm :
Wie gehabt kombinieren die Braunschweiger Gramsci-Tage Vorträge, Workshops und Diskussionen und ein Kulturprogramm. Prof. Dr. Klaus Dörre (Friedrich-Schiller-Universität Jena) hält den Hauptvortrag am Freitag. Das abendliche Kulturprogramm bestreiten Hans-W. Fechtel und Arndt Gutzeit mit Gedichten und Liedern von Erich Mühsam. Am Samstag folgen Diskussionen und Workshops zu gesellschaftlichen und betrieblichen Gegenbewegungen u.a. mit Richard Detje (VSA-Verlag, WissenTRANSFER, Hamburg).

Veranstalter:
Braunschweiger Initiative für eine andere Politik (BIAP) in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund, Region SüdOstNiedersachsen, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Bezirksverband Braunschweig und der Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen.

Zeit:
Freitag, den 26.10.2018, ab 17 Uhr:
Vortrag und Kulturbeitrag

Samstag, den 27.10.2018, 10 Uhr bis ca. 17 Uhr:
Vorträge, Workshops und Diskussionen

Ort:
Gewerkschaftshaus Braunschweig, Wilhelmstraße 5, 38100 Braunschweig

(Programmdetails folgen demnächst.)


In Kooperation mit „Die Linke im Rat der Stadt Braunschweig“ und der „Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen“:

„Willkommen in Norddeutschlands Privatisierungshauptstadt – Gehört die Stadt noch den Bürgern?“
Diskussionsveranstaltung mit Robert Kösling, Sebastian Wertmüller und Udo Sommerfeld.
Moderation Andreas Klepp

Mittwoch, 16.05.2018, Gewerkschaftshaus, Wilhelmstr. 5, Braunschweig

Flyer mit mehr Informationen


27. und 28.10.2017, 11. Braunschweiger Gramsci-Tage

Revolutionen gegen das Kapital – 
150 Jahre Marx‘ Kapital, 100 Jahre russische Oktoberrevolution

Die 11. Braunschweiger Gramsci Tage nehmen das 150jährige Erscheinen von MarxKapital und den 100. Jahrestag der russischen Revolution zum Anlass, die komplexen Beziehungen von revolutionärer Theorie und Praxis unter sich dynamisch wandelnden Bedingungen unter die Lupe zu nehmen. Sie wollen kritische Reflektionen über die Kritik der Politischen Ökonomie und zur Bedeutung der russischen Revolution zusammenbringen.

Bilder von der Veranstaltung

Ausführliches Progamm
Bemerkungen zum Thema
Flyer der Veranstaltung, Plakat


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